Wir und die Musik

Unser ganzes Leben ist in Musik getaucht. Überall klingt es und singt es. Die Zeit der Konzerte wächst auch heute noch beständig. Immer neue Orchester werden gegründet. Musikfeste veranstalten annährend alle Städte, und sei es auch nur, um Fremdenverkehr zu beleben. Sender über Sender berieseln uns Tag und Nacht mit Musik.

Fjodor_Elesin_Violoncello

Musik jeder Art dringt so in die letzte Dorfhütte. Die Jugend feiert ihre Feste im Zeichen der zuckenden Tanzrhythmen moderner Bands. Der Film transportiert gefühlvolle Melodien und effektvolle Töne zu den begierigen Ohren der Besucher, besonders die Werbung und die politische Propaganda instrumentalisiert die Musik gnadenlos.

Mag einem als ein Liebhaber der klassischen Musik die musikalische Gegenwart mit Hip-Hop, Techno-Hammer und nervtötendem Gestöhne und Gedröhne noch so unerträglich auf den Geist gehen, ist es letztlich nur die logische Fortführung eines geschickt durchgeführten Programms unserer Medienanstalten. Wie etwa der direkte Weg durch Werbung finanzierte Musikprogramme von MTV und Viva. Die etwas älteren Jahrgänge können sich bestimmt noch an den hyperaktiven Ilja Richter in der „Fernseh-Disco“ des ZDF und an den Multi-Kulti-Welt-Vorzeigesänger Roberto Blanco erinnern. Wobei sich die wilden „Les Humphries Singers“ und der „Sprintsprecher“ Dieter Thomas Heck besonders fest in meiner Erinnerung eingebrannt haben.

Selbstverständlich bin ich bereit zu differenzieren. Alles ist und war nicht schlecht im Pop-Genre und es gibt und gab immer Musiker, die prägend wirken, ohne gesteuert zu sein. So hat die schwedische Pop-Gruppe ABBA in den 70er- und 80er-Jahren eine Musik geschaffen, die Musikfachleute als sehr beeindruckend bezeichnet hatten. Aber auch viele andere Sänger und Gruppen setzten künstlerische Inhalte und wollten nicht als Ausgeflippte bekannt werden.

Musizieren macht schlau, ist das Credo vieler Experten. Musik und Intelligenz – ein Paar, das scheinbar zusammengehört. Dabei ist nicht sicher, ob musizierende Menschen intelligenter sind oder ob intelligente Menschen eher musizieren. Die Antwort liegt wie immer dazwischen. Besonders die Vorstellung, durch das Hören klassischer Musik schlauer zu werden, beflügelt demnach viele Menschen, nicht zuletzt Eltern, die ihren Kindern am besten schon im Mutterleib mit Mozart und anderen Klassikern beschallen, um ihre Intelligenz zu steigern. Schon 1999 hat der Harvard-Psychologe Christopher Chabris eine einfache Erklärung für das vermeintliche Mozart-Phänomen vorgestellt. Das Hören angenehmer Musik könne die rechte Gehirnhälfte in freudige Erregung versetzen und damit das Lösen schwieriger Aufgaben zum räumlichen Denken erleichtern. Vereinfacht gesagt: Musik beflügelt. Für Chabris Annahme spricht, zufolge nicht nur Mozart, sondern dass sogar Popmusik die gleiche stimulierende Wirkung hat. Zudem gibt es andere Untersuchungen, die darauf hindeuten, dass Musik das Gehirn auf vielfältige Weise stimuliert und die Aufmerksamkeit, das Arbeitsgedächtnis und die gezielte Wahrnehmung verschiedener Sinnreize verbessern kann – ganz ohne Mozart-Effekt. Ergo werde ich weiterhin mit meiner Mundharmonika meine rechte Gehirnhälfte mit ABBA-Melodien in freudige Erregung versetzen!

Fazit: Die regelmäßige Beschäftigung mit Musik fördert – besonders bei Kindern – die kognitive, emotionale, motorische und ästhetische Entwicklung. Sie erzeugt in außermusikalischem Bereich einen deutlichen Kompetenzgewinn hin zum konstruktiven, engagierten und reflektierten Bürger.

Rolf Burmester

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